Nehmt Schule endlich ernst!

"Das neue Schuljahr startet mit Maskenpflicht, Einschränkungen und sehr viel Unsicherheit. Es offenbart sich, wie wenig Bildungspolitiker sich für Bildung stark machen.
Pickel sind in der Schule unvermeidbar. Gerade in dieser sehr heißen, verschwitzten, maskentragenden Zeit gibt es viel Hautausschlag. Diese rufen in den Pickelhabenden diverse Gefühle hervor: Unsicherheit, Angst, Frust und Resignation. Doch wo die Teenager ihrer Pickel aufgrund der Pubertät bekommen, kriegen Pädagogen eher Pickel von der Politik. Wir können unsere Pickel hinter dem Mund-Nasen-Schutz verstecken, aber die gleichen Gefühle bleiben. 

Die Corona-Zeit ist eine der Unsicherheit, die Schule aber lebt von Planung: von der Unterrichtseinheit, von dem Klausurthema, von der Halbjahres- und Jahresstruktur. Etliche Dissertationen gibt es zur Wichtigkeit von Rhythmisierung in der Erziehung. Rhythmisierung ist die Zeitstruktur des Tages, der Woche, des Schuljahres, was den Schülern Halt gibt. Arbeit und Pause wechseln sich sinnvoll ab und der Tagesablauf entspricht der menschlichen Natur. Auf Deutsch gesagt: Mathe wird nicht direkt nach dem Mittagessen im Sitzen in einem heißen Raum ohne Bewegung unterrichtet. Die einzelne Stunde oder Aufgabe mag überfordernd sein, aber eine transparente Rhythmisierung gibt auch die Sicherheit, dass man anderes in der Zukunft erwarten kann. Das ist insbesondere für die Schülerinnen wichtig, die im System Schule schlecht zurechtkommen, für den das lange, stille Sitzen eine Herausforderung an sich darstellt. 

Von März bis zu den Sommerferien war aber die Schulpolitik von Kurzfristigkeit geplagt: Examen wurden erst umgestaltet und dann abgesagt, Corona-Aufgaben waren zu benoten und dann doch »freiwillig«, die Notbetreuung war des Klatschens würdig und dann vergessen. Oft kamen die Pressemitteilungen per Tweet am Freitagabend. Die schwer erstellte Rhythmisierung fiel weg — wo viele Erwachsene unter der Corona-Prokrastination leiden, leiden Kinder doppelt, denn sie haben kaum Lebenserfahrung, um sich selbst Struktur zu geben.

Das ist zu verzeihen, denn die Pandemie hat alle überfordert. Zunächst. Aber dann kamen sechs Wochen Sommerferien. Und anstatt sich dann Pläne zu überlegen, sind die Kultusminister alle in die Sommerferien gefahren..."

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