Willkommen im Studio Höchenschwand: Grundschule produziert eigene Videos für den Unterricht

"Die Grundschule Höchenschwand hat sich ein eigenes Studio eingerichtet und seither schon 300 Lern-Videos produziert. Die Inhalte orientierten sich am Lehrplan und an den Schulbüchern. Rektor Arno Wagner gibt einen Einblick.
Einen großen Schritt haben die Schulen der Region in den vergangenen beiden Jahren bei der Digitalisierung getan. Die Schule in Höchenschwand hatte bereits vor Beginn der Corona-Pandemie zusammen mit der Gemeindeverwaltung Investitionen geplant. Um optimal auf Fernunterricht vorbereitet zu sein, wurde dort sogar ein kleines Videoaufnahmestudio eingerichtet.

Nur einen Klick waren die Schüler der Schule Höchenschwand in Zeiten des Fernunterrichts vom digitalen Klassenzimmer entfernt. Die Aussicht kannten sie aus dem Präsenzunterricht: In den Videos sahen sie immer den jeweiligen Lehrer vor der digitalen Tafel – so wie sie es aus dem eigenen Klassenzimmer kennen. 

Die Ausstattung der Schule sei mit Zuschüssen des Digitalpaktes von der Gemeinde gekauft worden, sagt Rektor Arno Wagner. Schon vor Beginn der Corona-Krise habe man Investitionen geplant – jedes Klassenzimmer habe eine digitale Tafel erhalten. Als im Sommer 2020 absehbar gewesen sei, dass die Schulen irgendwann wieder in den Fernunterricht wechseln müssen, kamen die zusätzlichen Mittel aus dem Digitalpakt, einem Förderprogramm des Bundes, gerade recht – Wagner plante die Einrichtung eines kleinen Videoaufnahmestudios in einem Raum im Obergeschoss des Schulgebäudes.

Technik im Sommer 2020 bereit 
Die Gemeinde habe nur die Hardware, also die zwei Kameras (bereits während des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020), Monitore, Beleuchtung und weitere Geräte kaufen müssen. Die Software ist kostenlos. Weil er sich ohnehin für Computertechnik begeistert und damit beschäftigt, machte sich Wagner mit Unterstützung von dem bei der Gemeinde beschäftigten Dominik Kaiser, der ausgebildeter Elektriker ist, an die Einrichtung des Systems. Alle Geräte wurden verkabelt und die Software installiert und auf die eigenen Bedürfnisse eingestellt.

Der Raum wurde mit einem grünen Teppich und grünen Tüchern ausgekleidet und so zum sogenannten Green Room. So können die Aufnahmen digital in beliebige Räume hineinversetzt werden, erläutert der Rektor. 

»Schon in den Sommerferien 2020 habe ich Probeaufnahmen gemacht«, sagt Wagner. Die Abstimmung zwischen Ton- und Bildaufnahmen und auch das richtige Ausleuchten seien beispielsweise eine Herausforderung gewesen. Er arbeitete auch ein Konzept für die Videolektion aus, denn die Einheitlichkeit sei wichtig, sagt Wagner. Die Videoinhalte orientierten sich am Lehrplan und den Schulbüchern. 300 Videos kamen während des Lockdowns zusammen, sagt Wagner.

Erste Erfahrungen vor der Kamera hatten die Lehrer bereits im Frühjahr 2020 gesammelt, als sie täglich für die Schüler eine Vorlesegeschichte aufnahmen. Als die Schule dann tatsächlich wieder in den Fernunterricht wechseln musste, war alles parat: Wöchentlich erhielten die Schüler einen Lernplan und ausgedrucktes Material. Und die Videos für Mathe und Deutsch wurden nach einem bestimmten Terminplan veröffentlicht. Da in manchen Familien mehrere schulpflichtige Kinder leben und auch die Internetverbindung nicht überall gut ist - ein Livestream sei nicht möglich gewesen.

Die Lehrer produzierten die Videos jeweils von Montag bis Mittwoch, danach habe er sie bearbeitet und dann am Sonntag hochgeladen. Direkten Kontakt hatten die Lehrer dennoch zu ihren Klassen, erzählt Wagner. Jeden Morgen kamen die Klassen nacheinander zu Onlineklassenkonferenzen zusammen, um das Tagesprogramm zu besprechen.

Fernunterricht werde es hoffentlich keinen mehr geben, sagt Rektor Wagner. Der Einsatz der digitalen Tafeln gehöre zum Alltag in der Schule, aber ansonsten sollten die Schüler erst einmal möglichst wenig mit Computer zu tun haben müssen. Wagner: »Jetzt soll man direkt miteinander interagieren.« Das Studio bleibt der Schule aber doch erhalten und in Zukunft wolle man es auch in den Unterricht einbinden.

So wie die Schule zusammen mit der evangelischen Kirchengemeinde vor Weihnachten ein Krippenspiel aufgenommen habe, könnte er sich auch andere Projekte vorstellen. Denn die Medienerziehung sei wichtig.

Verschiedene Medien im Unterricht einbinden 
Den großen Digitalisierungssprung der vergangenen rund zwei Jahre findet Arno Wagner insgesamt gut. Vor allem die Möglichkeiten der digitalen Tafeln lobt er. Man könne leicht verschiedene Medien in den Unterricht einbinden und au.ch alle Aufgaben, die zusammen mit der Klasse erledigt werden, archivieren. Und der Lernstoff könne mit den neuen Möglichkeiten deutlich leichter erklärt werden. Deshalb sei er sehr zufrieden und dankbar für die Unterstützung durch die Kommune."

Quelle: SÜDKURIER, Autor: Sebastian Barthmes