Warum eine Dorfschule schon vom 3-D-Drucker träumt und die Schüler in der Stadt noch immer auf ihre iPads warten

"Die Corona-Krise hat in den Schweizer Schulen den unterschiedlichen Stand der Digitalisierung gnadenlos offengelegt. Eine Weiterbildung soll Abhilfe schaffen – aber sie dürfte den Graben noch vergrössern.
David Eichenberger sitzt im Lehrerzimmer der Sekundarschule Elsau-Schlatt, als eine Chat-Nachricht auf dem Bildschirm seines Computers aufploppt. Ein Schüler schreibt: »Sie, uns fehlt ein Blatt.« Das ist ein Problem. Die Schülerinnen und Schüler aller Klassen arbeiten nämlich gerade in altersdurchmischten Lerngruppen. Und die 120 Jugendlichen sind in 19 verschiedenen Räumen der Schule verteilt.

Das kleine Versäumnis, ein einziges Blatt in der Arbeitsmappe vergessen zu haben, hätte vor wenigen Jahren noch für viel Aufwand gesorgt. Eichenberger hätte das Papier in seinen Unterlagen suchen müssen, er wäre zum nächsten Drucker gegangen, hätte 120 Kopien angefertigt und wäre von Zimmer zu Zimmer gewandert, um die Blätter zu verteilen.

Heute kann der 30-Jährige im Lehrerzimmer sitzen bleiben, um das Problem zu lösen. Er kann gleichzeitig sogar noch seinen Kaffee fertig trinken.

Die Schule in Elsau, drei S-Bahn-Haltestellen östlich von Winterthur entfernt, gilt als digitale Vorreiterin. Sie bot schon ein Freifach Informatik an, als andere noch gar keinen Computerraum besassen. Bereits im Jahr 2013 begann sie, iPads für die gesamte Schülerschaft zu besorgen. Andernorts gab es damals noch nicht einmal eine flächendeckende WLAN-Verbindung.

Dieser Innovationstrieb zahlte sich aus in der Corona-Krise. Doch auch die Schule Elsau-Schlatt lernte dazu; sie musste – genau wie alle anderen Schulen in der Schweiz. Nun, mit einigen Monaten Abstand, reifen in den Lehrerzimmern und Schulleitungsbüros Erkenntnisse aus der Krise. Wie Digitalisierung in den Schulen gelingen kann, wie sie den Unterricht verändert, wo nach wie vor Hürden bestehen.

Ein Vergleich der Schule Elsau-Schlatt mit der städtischen Sekundarschule Hohfurri in Winterthur zeigt, wie gross die Unterschiede zwischen den Schulen sein können und welche Faktoren bei der Digitalisierung mitspielen. In Winterthur warten die Schülerinnen und Schüler seit Monaten noch immer auf ihre iPads..."

Zum Artikel der Neuen Züricher Zeitung.ch.