"IT-Security wurde zwei Jahrzehnte verschlafen in Österreich"

"Thomas Gabriel von der HTL Pinkafeld (Höhere technische Bundeslehr- und Versuchsanstalt) über IT-Unterricht an österreichischen Schulen und Angriffe auf kritische Infrastruktur.
Die Austria Cyber Security Challenge feiert heuer ihr 10-jähriges Jubiläum. Auch von der HTL Pinkafeld werden wieder Schüler*innen teilnehmen, um ihre IT-Security-Talente unter Beweis zu stellen.
Die HTL Pinkafeld ist die größte Schule des Burgenlandes mit 1350 Schüler*innen in den 4 Abteilungen Informatik, Gebäudetechnik, Elektronik und Bautechnik. Die Informatikabteilung wird von 370 Schüler*innen besucht, wobei ca. 100 Studierende die Abendschule am Freitag und Samstag besuchen. Die futurezone sprach mit Thomas Gabriel, Abteilungsvorstand Informatik an der HTL Pinkafeld. 

futurezone: Wie viele Schüler*innen der HTL Pinkafeld nehmen werden heuer voraussichtlich an der ACSC teilnehmen? 
Thomas Gabriel: Die Abteilung Informatik an der HTL Pinkafeld hat zusätzlich zum Schwerpunkt IT-Security - diesen habe ich als Abteilungsvorstand seit 3  Jahren in unserer Abteilung etabliert, um dieses enorm wichtige und komplexe Thema im Unterricht zu verankern - auch einen Fokus auf Software-Engineering, Datenbankentwicklung und Wirtschaftsinformatik, weshalb eine gezielte Vorbereitung auf die ACSC nur mit begrenzter Stunden- und Schüler*innenanzahl möglich ist. In den ersten Jahrgängen hat sich die Wichtigkeit von Sicherheitsthemen in der IT durchgesprochen und so freuen wir uns jedes Jahr über 30 Schüler*innen für diesen Schwerpunkt, wovon wir gezielt 15 rauspicken und mit ihnen in die Vorbereitung zur ACSC gehen können. 

Aufgrund der aktuellen Situation: Könnten Sie sich vorstellen, dass zukünftig nur noch per Distance Learning und Videokonferenzen unterrichtet wird? 
Wir sehen hier einen eindeutigen Trend. Ab den dritten Jahrgängen hat es am Beginn der COVID-Periode doch die eine oder andere Umstellungsphase gegeben – jedoch nicht im technischen sondern im pädagogischen Bereich. Der digitale Unterricht wurde von uns sehr gut organisiert, ersetzt aber meiner Meinung nach nicht den Präsenzunterricht. Ich kann mir einen oder 2 Tage digitalen Unterricht vorstellen, mehr aber nicht. Der direkte Kontakt mit den Schüler*innen ist nicht nur für uns Lehrende wichtig, sondern auf für die Schüler*innen. 

Was ist die »Spezialität« der HTL Pinkafeld im Bereich IT? 
Durch meine Affinität zur Security – ich selbst habe auch vor 4 Jahren in St. Pölten den Studienlehrgang IT-Security berufsbegleitend erfolgreich absolviert – wurde eine Schwerpunktsetzung in diesem Bereich bei uns in der Informatikabteilung gesetzt. Dieses Thema wurde in den vergangenen 2 Jahrzehnten in der schulischen Ausbildung in Österreich »verschlafen« und daher sind wir im Burgenland die einzige Schule, die sich diesem Thema verschrieben hat.

Die Informatik-Abteilung der HTL Pinkafeld bildet neben Netzwerk- und Securityspezialist*innen auch Software- und Datenbankentwickler*innen aus. Seit Jahrzehnten ist es uns wichtig, nicht nur Informatikthemen im Unterricht näher zu behandeln, sondern unseren Absolvent*innen eine fundierte wirtschaftliche Ausbildung mit auf dem Berufsweg zu geben. Immer wieder bestätigen uns Absolvent*innen, dass gerade diese wirtschaftliche Ausbildung bei der Gründung eines Unternehmens oder eines Start-Ups von großem Vorteil ist. 

An welchen IT-Security-Themen sind die Schüler*innen derzeit besonders interessiert? 
Bereits beim Vorstellen von diversen Sicherheitslücken in Netzwerkprotokollen und Hackertools, die sie in den vorhergehenden Jahrgängen erlernt haben, beginnen sie Ideen und Pläne (natürlich spielerisch) auszuspinnen. Sehr zu begeistern sind sie für alle Themen hinsichtlich Netzwerksicherheit (WLAN-Security, Firewalling, Zertifikate). Von Beginn an verwenden Sie auch digitale Signaturen in ihrem Mailverkehr..." 

Zum Interview auf futurezone.