Ganztag mit "Förderung nach oben"

"Die Georg-August-Zinn-Schule in Kassel hat als »die neue GAZ« einen Leiter Digitalisierung und ein Pflichtfach Kulturelle Bildung. »Der Ganztag muss ein Gesamtkonstrukt sein«, sagt Schulleiter Dominik Becker.
Wenn es um die Digitalisierung geht, können Lehrkräfte häufig von ihren Schülerinnen und Schülern noch was lernen. An der Georg-August-Zinn-Schule steht dieses Expertenwissen den Lehrerinnen und Lehrern seit diesem Schuljahr auch ganz offiziell zur Verfügung: Wer in seinem Unterricht digitale Endgeräte, Programme oder Apps einsetzen möchte, aber selbst noch unsicher ist, kann Hilfe »buchen«.

Zwölf Schülerinnen und Schüler des Wahlpflichtkurses Digitalisierung bereiten dann die entsprechende Hard- und Software vor und stehen auch während des Unterrichts unterstützend zur Seite. Sie administrieren Tablets, erstellen Erklärvideos und Steckbriefe für Apps. An der »GAZ«, wie alle die Integrierte Gesamtschule im Stadtteil Oberzwehren nennen, finden die Lehrerinnen und Lehrer es nicht ehrenrührig, solche Hilfe in Anspruch zu nehmen. 

»Leiter Digitalisierung«: Sprechstunde und »Fobi-Snacks« 
Die Georg-August-Zinn-Schule hat aber seit 2020 auch einen »Leiter Digitalisierung«, der Mitglied der Schulleitung ist. »Uns war klar, dass wir für die Digitalisierung nicht einfach nur einen Kollegen beauftragen können, der das so nebenbei macht«, sagt Schulleiter Dominik Becker. Schon als Referendar hatte sich Sait Toprakoğlu um die Digitalisierung der Schule gekümmert. Er habe für das Thema schon immer gebrannt. Toprakoğlu hält nicht nur Sprechstunden ab, sondern hat selbst ein digitales Fortbildungsformat entwickelt.

Die »Fobi-Snacks« sind kurze und knackige 45-Minuten-Online-Seminare, in denen der Leiter Digitalisierung und Lehrkräfte, die bereits Erfahrung mit Apps in ihrem Unterricht gesammelt haben, eine 15 Minuten lange Einführung geben. Dann können die Teilnehmenden 20 Minuten selbst ausprobieren, gefolgt von zehn Minuten Austausch. »Die Kunst ist, zu bündeln und darzustellen, wo welche Frage beantwortet wird, und dann die Informationen adressatengerecht aufzubereiten. Ein Kollege ist bei uns zum Beispiel nur für Fragen rund um die Tablets da«, erläutert Said Toprakoğlu.

Wichtig sei, dass die Lehrerinnen und Lehrer erkennen können, was digitale Werkzeuge ihnen konkret bringen. »Sie müssen sehen, wie das ihren Arbeitsalltag und den der Lernenden erleichtert.« An der Georg-August-Zinn-Schule habe niemand gesagt, dass er mit der Digitalisierung nichts zu tun haben wolle, was seine Arbeit und »Mission« schon von Anfang an erleichtert habe. Stufenleiterin Anke Scholz ist begeistert: »Als Englischlehrerin nutze ich eine App, die zur jeweiligen Lektüre Sekundärmedien zuordnet, das ist ein Traum! Die Schülerinnen und Schüler können mithilfe einer App Vokabeln lernen – so oft könnte ich gar nicht bei jedem Einzelnen sein.« 

Lernen im »Flipped Classroom« 
Für Schulleiter Dominik Becker ist »das Beeindruckendste an der Digitalisierung«, dass sie den Jugendlichen ermöglicht, in ihrem eigenen Tempo zu lernen. „»m Unterricht können sie nicht einfach mal die 'Pause'-Taste drücken, wenn es ihnen zu viel wird oder sie unkonzentriert sind. Aber virtuell können sie die Aufgaben bearbeiten, wann es ihnen passt. Schüler wie Eltern haben mir zurückgespiegelt, wie erleichternd sie das finden.« 

Gelernt werde jetzt mehr im Stil des »Flipped Classroom«: Grundlagen eignen sich die Schülerinnen und Schüler zu Hause an. In der Schule kann vertieft, differenziert und geübt werden. Katja Schmoock, die stellvertretende Schulleiterin, findet es deshalb auch »super, dass virtuell so viele verschiedene Abstufungen in den Aufgabenstellungen möglich sind«, die der Unterschiedlichkeit der Schülerinnen und Schüler gerecht werden.

Die Digitalisierung ist für den Schulleiter nicht Zweck, sondern didaktisches Mittel, »um solide Fähigkeiten zu schulen und zu stärken«. Er hält viel vom »händischen« – nicht »handyschen« – Rechnen und Schreiben. Während der Schulschließungen habe die Digitalisierung natürlich nochmals an Wertigkeit gewonnen. »Es darf dann nicht davon abhängen, welche Lehrkraft gerade unterrichtet, ob die Schülerinnen und Schüler mit digitaler Bildung in Berührung kommen.«

Die Stadt Kassel als Schulträger habe zügig gehandelt und der Georg-August-Zinn-Schule 236 Tablets zur Verfügung gestellt. »Alle Schülerinnen und Schüler können jetzt am digitalen Unterricht teilhaben.« Da die Stadt einen kompletten Neubau für die Georg-August-Zinn-Schule plant, werden in der »Schule der Zukunft« auch die WLAN-Probleme bald der Vergangenheit angehören..."

Zum Artikel auf ganztagsschulen.org.