Besonders die Grundschulen leiden: Corona-Lockdown - Kinder gehen der Schule verloren

"Eigentlich sollte im Schulausschuss nur über die Erfolge der städtischen digitalen Offensive berichtet werden – nachdem aber alle Schulleitungen anschaulich über ihren jeweiligen Corona-Alltag berichtet hatten, herrschte Betroffenheit im Saal.
In den Grundschulen geht es den Kollegien vor allem darum, keine Kinder aus den vielen Einwandererfamilien zu verlieren. An den weiterführenden Schulen scheint die tägliche Motivation in den Klassen ohne Präsenzunterricht das größte Problem zu sein.

Bürgermeister Andreas Späinghaus (SPD) hatte die Digitalisierung durch die Verwaltung gelobt: »Unsere Schulen sind da sehr weit vorne. Andere Kommunen im Kreis beneiden uns. Die IT in Werdohl hat etwas geleistet, das seinesgleichen sucht.» Er sei persönlich stolz, dass die Werdohler Verwaltung zu Coronazeiten viel dazu beigetragen habe, dass „die Schulen arbeiten konnten.« 

Der analoge Alltag macht Probleme
Für Hardware und Datenleitungen an den Schulen ist sicher gut gesorgt, doch der analoge Alltag vor allem an den Grundschulen sieht ganz anders aus. So passten die Schilderungen der Ütterlingser Grundschulleiterin Britta Schwarze so gar nicht ins Bild einer hell leuchtenden digitalen Zukunft. Die evangelische Grundschule habe bislang weder iPads noch Whiteboards, stellte Schwarze nüchtern fest.

Sehr viele Kinder seien in ihren Familien ohne ein digitales Endgerät. In ihrer Klasse seien gerade einmal sechs von 25 Kindern so ausgestattet, dass sie am digitalen Unterricht teilnehmen könnten. Schwarze: »Wir müssen sehr gut aufpassen, dass wir kein Kind verlieren, weil es technisch nicht gut ausgestattet ist.« Der evangelische Pfarrer und Ausschussmitglied Martin Buschhaus fragte ein wenig verwundert nach, er stelle sich vor, dass es gerade in den jüngeren Familien doch wohl wenigstens ein digitales Endgerät gebe? Die realistische Antwort: »Das digitale Endgerät ist ein Handy, und das hat der Vater mit auf der Arbeit.« 

Schulleiterin: »Die Kinder werden täglich müder« 
Britta Schwarze führte dem Ausschuss die Situation in den Familien vor Augen: »Die Eltern haben ihre Kinder seit einem Jahr mehr oder weniger komplett zuhause. Das zerrt allen an den Nerven.« Auch die Kinder würden täglich müder: »Das sind keine Studenten oder Gymnasiasten.« Von sechs- und siebenjährigen Kindern werde erwartet, dass sie sich seit mehr als einem Jahr »jeden Morgen dahinsetzen«. Die Erstklässler haben seit einem Jahr keine normale Schule gesehen. »Wir sind in großer Besorgnis«, sagte Britta Schwarze. Es gebe keinen Sport, keine Musik: »Wir dürfen ja noch nichtmal singen.« Dann kämpfe man mit Tests, deren Handhabung wochenweise wechsele oder die erst gar nicht ankämen.

Die Kolleginnen machten wieder Hausbesuche bei den Elternhäusern. »Da stehen wir vor den Haustüren und versuchen, mit den Eltern irgendwelche Dinge zu regeln.« Das sei oft sehr schwierig, weil es viele Haushalte gebe, in denen die Eltern nicht lesen und nicht schreiben könnten. Von Deutsch ganz zu schweigen..."

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