Studie offenbart Mängel bei digitaler Kompetenz: Ahnungslos vor der Enter-Taste

Die Digitalisierung schreitet voran, aber viele Menschen verstehen die Sprache der Zukunft nicht. Das erleichtert Manipulation und ist gefährlich. Ein Kommentar. 
Es ist nicht das erste Armutszeugnis zu dem Thema, und es wird nicht das letzte sein. Denn in Deutschland haftet dem Schlagwort Digitalisierung immer noch das Image abgehobener Technikträumereien an, einer Geheimsprache, die zu beherrschen nur besonders begabten Menschen zuzutrauen wäre. Dabei gehört zu einer Gesellschaft, die in einer digitalisierten Welt bestehen will, dass die gesamte Bevölkerung zumindest in einem gewissen Maße Bescheid weiß. Zumal in einer demokratischen Gesellschaft, wo die Mehrheit der Bevölkerung politische Entscheidungen mittelbar beeinflusst.

Doch wie jetzt wieder die „Digital Skills Gap“-Studie der vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Initiative D21 haben zuvor schon andere Untersuchungen belegt, dass es einem viel zu großen Teil der Bevölkerung an wichtigen digitalen Kompetenzen mangelt: Informationen können nicht von Werbung unterschieden werden, Seriöses nicht von Unseriösem.

Je geringer die analoge Bildung, desto geringer die digitale 
Selbst die Menschen, die sich regelmäßig im Netz herumtreiben, Bilder posten, Nachrichten mit dem Smartphone verschicken und sich informieren, fehlt das Verständnis dafür, wie die digitale Welt um sie herum funktioniert. Nutzen ja, verstehen oder gestalten – Fehlanzeige. Die Faustformel der Studien lautet: Je geringer die analoge Bildung, desto geringer die digitale. Ausnahme: die Menschen über 70, die allgemein unsicherer im Umgang mit digitalen Angeboten sind. Wer hier droht abgehängt zu werden, ist deutlich. Man fragt sich, was noch passieren muss, bevor der Gong ertönt. 

Ein möglichst nicht zu geringes Basiswissen in digitalen Fragen ist eine zentrale Kompetenz für das Bestehen in digitalen Zeiten. Wer nicht beurteilen kann, was ihm da auf dem Bildschirm entgegenspringt, wird manipulierbar. Wehrlosen jenen ausgeliefert, die es besser wissen. Um es analog zu veranschaulichen: Wer hätte sich nicht mal über die Rechnung eines Kfz-Betriebs geärgert und sich betrogen gefühlt, aber auch nicht imstande, die diagnostizierten Schäden besser zu bewerten? Dieses Gefühl, das bei dem läppischen Vorfall mit dem Auto unschön genug ist, droht Nicht-Kundigen in der digitalen Zukunft bei jedem Handgriff. Das kann niemand wollen..."

Zum Artikel auf DER TAGESSPIEGEL.de.

Zur Studie Digital Skills Gap.