PietSmiet: Mein Mitschüler, der YouTube-Star

"Unsere Autorin kennt Peter Smits als Orga-Talent ihrer Abiklasse. Heute hat er als YouTuber PietSmiet Millionen Fans. Wie ist das nur passiert? Ein Wiedersehen.
An einem der letzten Tage unserer Schulzeit bestellte Peter meine Freundinnen und mich in die Bibliothek unseres Gymnasiums. Als Erinnerung an die gemeinsame Zeit drehte er damals einen Film über unseren Abiturjahrgang. Er hatte alles durchgeplant und sagte uns genau, was wir zu tun hatten: erst alle zusammen aufs Sofa, dann an den Tischen für die Kamera büffeln, zum Schluss ein Buch zurück ins Regal stellen. Peter schaffte es in diesen Tagen, alle 60 Personen unseres Jahrgangs vor die Kamera zu holen, auch die, die von Zusatzterminen so kurz vor den Prüfungen eigentlich nichts wissen wollten. Ich fand seine Entschlossenheit und sein Organisationstalent bemerkenswert – warum er sich so kurz vor dem Abi diese zusätzliche Aufgabe aufhalste, verstand ich allerdings nicht.

Peter zeigte den detailverliebten und lustigen Film bei unserer Abschlussfeier und lud ihn etwas später auf YouTube hoch. Videos von Abschlussklassen gibt es auf der Plattform massenweise, doch während sich für die meisten davon nur ein paar Tausend Menschen interessieren dürften, hat unser Film eine halbe Million Views. Das liegt nicht daran, dass er so unfassbar großartig geworden ist, auch wenn ich ihn heute gern noch gucke. Es liegt an Peter.

In Peters Welt sind solche Klickzahlen ganz normal. Der Typ, mit dem ich 2008 in der Kleinstadt Kevelaer am Niederrhein Abitur gemacht habe, ist heute ein Star, ein Social-Media-Star. Peter Smits hat knapp zweieinhalb Millionen Abonnentinnen und ist damit einer der erfolgreichsten YouTuber Deutschlands. Der heute 32-Jährige ist der Kopf eines Fünferteams, das unter dem Namen PietSmiet mehr als 700.000 Menschen täglich erreicht. Berühmt geworden sind Peter und seine Freunde, von denen zwei ebenfalls in meiner Klasse waren, vor zehn Jahren durch Let's-Play-Videos, in denen sie Videospiele zocken und sie dabei kommentieren. Inzwischen produzieren sie auch andere Formate, die mit Gaming nichts mehr zu tun haben, zum Beispiel Quizshows und Kochsendungen. Peter ist so etwas wie der Stefan Raab von YouTube – er macht Quatsch vor der Kamera und die Leute schauen ihm gern dabei zu. 

"Und wie ist das so, mit YouTube-Videos zu Ruhm und Reichtum zu kommen?" 
Auf die ungewöhnliche Karriere meines ehemaligen Klassenkameraden machte mich erstmals eine Freundin aufmerksam, vor ungefähr acht Jahren. Sie war mit Peters Kollegen auf Facebook befreundet, ihr waren die Fernsehauftritte angezeigt worden, die sie dort geteilt hatten. 2015 schickte sie mir ein Video weiter: Da saßen die sechs Jungs auf Stefan Raabs Sofa bei TV Total, darunter Peter, Sebi und Joni aus unserer Klasse. "Es ist für viele, die die Szene nicht kennen, ein echtes Rätsel, warum sich das so viele Leute angucken", sagte Raab. "Ihr spielt im Prinzip Computerspiele aller Art, seid in einem kleinen Fenster selbst zu sehen und grölt in übersteuerte Mikrofone rein." Lachen und Zustimmung der Jungs auf dem Sofa. Zustimmung auch bei mir als Zuschauerin – ich konnte diese Faszination überhaupt nicht begreifen.

Manche, die früher mit uns zur Schule gingen, erzählten, dass unsere alten Klassenkameraden mit ihren Gamingvideos reich geworden seien. Videos, in denen Peter, Joni und Sebi sich jetzt Piet, Jay und Sep nannten. Unter Gamerinnen und Gamern, hieß es, seien die drei inzwischen so bekannt, dass sie auf der Kölner Messe GamesCom keinen Schritt gehen könnten, ohne von Fans überrannt zu werden.

Mein einstiger Klassenkamerad, ein YouTube-Star? Ich fand das zunächst alles ziemlich skurril. Peter und ich waren nie gut befreundet, aber wenn man viele Jahre im selben Klassenraum sitzt und dieselben langweiligen Schulstunden ertragen muss, glaubt man ja doch häufig, die Menschen um sich herum gut zu kennen und sie einschätzen zu können. Selbst wenn man außerhalb der Schule nie oder nur selten etwas miteinander zu tun hatte. Den Peter, den ich aus der Schule kannte, hätte ich in irgendeiner soliden Karriere verortet, vielleicht ein Wirtschaftsstudium und danach ein sicherer Job in einem großen Unternehmen. YouTube-Star war einfach noch kein Beruf, als ich zur Schule ging, niemand schrieb in der Abizeitung, man wolle gern wie Bibi werden oder Rezo..."

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Zum Internetauftritt von PietSmiet.