Papierlos ins neue Schuljahr: Primusschule setzt auf digitale Lösungen

"Was für ein Durcheinander. Zettel aus der Kita oder der Schule fliegen herum, gehen verloren oder kommen gar nicht erst zuhause an. Das nervt und kostet Zeit im Schulalltag. Die Primusschule setzt jetzt auf eine komplett digitale Lösung: Seit dem ersten Tag des Schuljahres 2021/22 erfolgt die Kommunikation zwischen Schule und Eltern über deren Smartphones. Die Schul-Info-App ersetzt Chat-Programme wie WhatsApp. Deren Verwendung sehen Datenschutzbeauftragte als kritisch an.

Alternativen sind gefragt. Zu Beginn des vergangenen Schuljahres hat die Schulpflegschaft den Antrag eingebracht, den Informationsfluss komplett zu digitalisieren. »Das stieß auf viel Zustimmung in der Elternschaft und auch im Kollegium«, sagt Julia Volkmann, erste Schulpflegschaftsvorsitzende der Primusschule in Dankersen. »Aber wir wollten nicht einfach einen Email-Verteiler anlegen, wie es vielleicht in den 00er-Jahren zeitgemäß gewesen wäre«, ergänzt Caroline Kleinroth, stellvertretende Vorsitzende der Schulpflegschaft.

Nicht nur die Unmengen an Papier, die in einer Schule durch Elternbriefe entstehen, stellen ein Problem dar, weiß Schulleiterin Antje Mismahl: »Egal ob Sturmwarnung oder Kontaktnachverfolgung, ein schneller Kontakt zu den Eltern wird immer wichtiger. Und da sind Zettel nicht hilfreich. Auch E-Mails sind da keine Lösung. Nicht alle Eltern lesen täglich oder gar stündlich ihre E-Mails. Dann geht es los, dass alle Kollegen anfangen, zu telefonieren. Und dann merkt man schnell, dass Telefonlisten nie aktuell sind.« 

Deshalb haben sich Lehrkräfte und Eltern – nach erfolgreicher Testphase im Frühjahr – gemeinsam dazu entschieden, die Schul-Info-App mit Beginn dieses Schuljahres einzuführen. Finanziert wird die App aus dem normalen Schulbudget. »Dafür kommt kein Extrageld. Was aber absolut unproblematisch ist, da wir das bei den Kopierkosten locker einsparen«, so Caroline Kleinroth.

Die App ermöglicht es, alle wichtigen Nachrichten direkt auf die Smartphones der Eltern zu senden. Sind die rund 700 Schüler und Schülerinnen einmal den richtigen Klassen und Kursen zugeordnet, können Infos mit einem Klick an die entsprechenden Eltern gesendet werden. Darüber hinaus können Eltern ihre Kinder über die App krankmelden. Diese Meldung geht dann direkt an die Lehrkraft. Ohne Umweg über das Sekretariat.

»Das erleichtert viele Arbeitsabläufe. Wir können sogar benötigte Unterschriften über das Handy einholen. Das ist nicht schwieriger als beim Paketboten«, zeigt sich Mismahl zuversichtlich und betont, dass die Nutzung der App datenschutzrechtlich sicher ist.

Ein weiterer zeitgemäßer Vorteil zeigt sich darin, dass getrenntlebende Eltern alle Infos gleichberechtigt empfangen können. Lehrkräfte können zudem sehen, wer die Informationen bereits gelesen hat und von welchen Eltern noch Rückmeldungen ausstehen. Ein Chat ist nicht möglich und das ist auch so gewollt. Es gibt immer die Möglichkeit, eine Info mit erforderlicher Rückmeldung anzulegen. Das kann zum Anklicken sein oder auch mit freier Texteingabe. Beispielsweise bei einem geplanten Schulfest: »Ich komme () ja () nein« oder »Ich bringe mit (Texteingabe).« Vorerst arbeitet die Schule mit Infos und Terminen sowie Abwesenheitsmeldungen.

»Die Digitalisierung der Elternbriefe ist auch ein wichtiger Schritt in Richtung Nachhaltigkeit. Soweit wir wissen, sind wir die erste Schule in Minden, die die Elternkommunikation komplett digitalisiert. Aber wenn man überlegt, was dadurch jährlich allein an der Primusschule an Papier und Toner eingespart wird, hoffe ich, dass viele Schulen folgen werden. Gemeinsam könnten wir damit in Minden richtig was bewegen«, zeigt sich Caroline Kleinroth optimistisch. »Unser Ziel ist es, dass alle Eltern die App nutzen. Wer allerdings über kein Smartphone verfügt, erhält die Informationen weiterhin per E-Mail. Das kann problemlos in das System integriert werden. Aber das betrifft nur sehr wenige Eltern«, versichert Mismahl. Damit dürfte die so oft zitierte Digitalisierung an der Primusschule Minden einen großen Schritt vorangetrieben werden und im Schulranzen vergessene Zettel für die Schüler und Schülerinnen wohl auch bald zu einem Relikt vergangener Tage werden.

Quelle: Mindener Tageblatt


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