Digitale Klasse: Lernen mit Apps und Laptops

"40.000 Schüler in Niederösterreich erhalten im Herbst Laptops. Bis 2023 soll jede Schule WLAN haben. Wie der Unterricht mit Tablets aussehen kann, zeigt Beispiel einer NÖ-Schule.
Ein Clip mit Zeichentrick-Figuren läuft auf dem Tablet von Patrick. Der 12-Jährige sitzt mit seinen Kolleginnen vor der Klasse. Das Video schauen die drei nicht heimlich. Im Deutsch-Unterricht lautete die Aufgabe, eine Geschichte über einen Camping-Ausflug fortzuschreiben und einen Film dazu zu drehen. »Mit dem Tablet macht das viel mehr Spaß«, sagt der Bub.

Auch für die anderen Schüler und viele Lehrer der Mittelschule Strasshof (Bezirk Gänserndorf) ist das Tablet nicht wegzudenken. Während andere Schulen gerade überlegen, welche Geräte sie kaufen und wie sie diese verwenden können, kommt das Tablet dort seit Jahren zum Einsatz. 60 Prozent der Schüler haben ihr eigenes. Für die anderen gibt es Leihgeräte.

NÖ- und bundesweit sieht es, was die Digitalisierung in Schulen betrifft, weitaus schlechter aus. Von den Pflichtschulen sind 40 Prozent mit Glasfaser ausgestattet, WLAN gibt es in der Hälfte der Räume in 85 Prozent der Pflichtschulen. Viele Schulen machten mit digitalem Unterricht erst aufgrund des Corona-Homeschoolings Erfahrungen. Mindestens fünf Prozent der NÖ-Schüler mussten die Zeit ohne eigenen PC bewältigen.

Bis 2023 sollen nun alle Jugendlichen Laptops oder Tablets bekommen. Zudem werden Schulen mit Glasfaser und WLAN ausgestattet. Dieses Ziel hat das Bildungsministerium im 8-Punkte-Plan ausgegeben.

Die ersten 40.000 Geräte werden im Herbst nach Niederösterreich geliefert. Diese bekommen die Kinder der fünften und sechsten Schulstufe, die laut dem Plan als erste ausgestattet werden. Die anderen Schulstufen folgen in den kommenden Jahren. Die Kosten für die Endgeräte übernimmt der Bund. Ein sozial gestaffelter Selbstbehalt von maximal 25 Prozent bleibt für die Eltern. Laptops für Lehrer beinhaltet der Plan nicht.

Anspruch an Schule hat sich geändert
In Strasshof steht ein paar Räume weiter Englisch auf dem Stundenplan. Wenn Covid es zulässt, will die dann vierte Klasse im Herbst nach England reisen. Die Vorbereitung läuft digital: Auf dem Tablet erstellen die Schüler einen Reiseplan und üben Gespräche.

Während die fehlende Digitalisierung an Schulen von vielen kritisiert wird, befürchten andere, dass die »Generation Smartphone« durch diese Art von Unterricht noch häufiger vor dem Bildschirm sitzt. EMS-Direktor Helmut Strohmayer sieht das anders: »Wir müssen die Schüler auf das Leben vorbereiten. Das geht nicht, wenn ich so tue, als würde es die Digitalisierung nicht geben.« Aus seiner Sicht hat der enorme Wissensschatz im Internet den Anspruch an Bildung verändert. »Früher ging es um Wissensbeschaffung, heute darum, Wissen einzuordnen und zu vernetzen.« Schüler müssen heute keine Jahreszahlen mehr auswendig lernen. Dafür gibt es Google. Sie müssen wissen, wo es seriöse Infos gibt...


DER 8-PUNKTE-PLAN FÜR SCHULEN

Das Vorhaben: Schüler sollen »digitale Kompetenzen« erarbeiten. Darunter versteht man im Bildungsministerium ein umfassendes Verständnis des Lernens mit digitalen Medien, das Lernen über digitale Medien und die Schaffung eines Grundverständnisses dafür, wie die digitale Welt funktioniert. 

Der Zeitplan:

2021: In den fünften und sechsten Schulstufen lernen Schüler mit mobilen Geräten. Lehrende und Lernende arbeiten mit kompetenzorientierten digitalen Materialien. 

2022: Qualitätsgesicherte Lern-Apps unterstützen Schülerinnen und Schüler beim Lernen. 

2023: Die IT-Infrastruktur an Bundesschulen erfüllt flächendeckend die Rahmenbedingungen für digital unterstützten Unterricht. 

2024: Digitales Lernen ist in allen Schulen gut verankert. 

Die Kosten: Für die Umsetzung des 8-Punkte-Plans wird, laut Bildungsministerium, ein zusätzliches Investitionsvolumen von insgesamt 250 Millionen Euro bis 2024 bereitgestellt. 


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