Berliner Schüler sollen Masken tragen – aber nicht überall. Sind die neuen Corona-Regeln für Schulen effektiv genug?

"Für Lehrer und Schüler in Berlin beginnt bald ein Schuljahr im Ausnahmezustand. Welche Regelungen im Einzelnen geplant sind und was sie bringen sollen.
Noch zehn Mal schlafen. Dann beginnt für Berliner Schüler – mit Ausnahme der Erstklässler – wieder der Alltag. Kurz vor dem Ende der Sommerferien in mehreren Bundesländern zeichnet sich ab, welche Vorkehrungen die Schulen treffen sollen, um das Corona-Infektionsrisiko zu senken. Für Berlin wurde am Donnerstag bekannt, dass es nur eine sehr eingeschränkte Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes geben wird: Auf den Schulhöfen und in den Klassenräumen soll sie nicht gelten. 

Was sehen die Berliner Regelungen im Einzelnen vor?
In allen Schulen, auch Berufsschulen, soll mit dem Ferienende am 10.August die Maskenpflicht gelten. In einem Elternbrief (den Sie hier herunterladen können), der am Donnerstag verschickt wurde, erläutert die Bildungsverwaltung die Einzelheiten: Demnach gilt »bis auf den Unterricht und die Durchführung der ergänzenden Förderung und Betreuung die Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung in geschlossenen Räumen«.

Menschen, die wegen einer gesundheitlichen Beeinträchtigung keine solche Bedeckung tragen können, sind von der Pflicht ausgenommen. Auf den Schulhöfen oder bei Aktivitäten im Freien kann auf eine Mund-Nasen-Bedeckung verzichtet werden. Eltern und alle schulfremden Personen müssen hingegen immer eine Maske tragen.

Was ist mit Grund- und Förderschulen?
Zwar belegen Studien – etwa aus Südkorea –, dass Kinder bis zu zehn Jahren die Infektion in geringerem Maße weitergeben als Jugendliche. Dennoch will die Berliner Bildungsverwaltung, dass auch bei Jüngeren die Maskenpflicht gilt. Das könnte auch damit zusammenhängen, dass Berlins Grundschüler bis zu 13 Jahre alt sein können, da Berlin eine sechsjährige Grundschule hat. Förderschulen können auf die Masken verzichten, wenn die Schüler nicht in der Lage sind, sie zu tragen. Das ist ohnehin im Infektionsschutzgesetz so geregelt.

Wie reagieren die Grundschulleiter?
Astrid-Sabine Busse, Vorsitzende des Interessenverbands Berliner Schulleitungen, begrüßt, dass die Maskenpflicht nicht auf Schulhöfen gelten soll: »Das wäre an der Lebensrealität vorbeigegangen.« Auch so erwartet sie, dass die Regelung an den Grundschulen schwer durchsetzbar sein wird, weil sie befürchtet, dass jüngere Kinder nicht auf Dauer Abstand halten, ihre Masken vergessen oder falsch tragen werden.

Wie dies kontrolliert werden soll, ist ihr unklar. Trotzdem blickt Busse, die die Schule in der Köllnischen Heide leitet, optimistisch auf den Schulstart. Noch sei eine Woche zur Planung und Information. An ihrer Schule gebe es zudem genug Platz und man wolle die Pausen der ersten drei Jahrgangsstufen entzerren. »Ich denke, jede Schule muss jetzt individuell und eigenverantwortlich handeln.«

Wie sinnvoll ist die Maskenpflicht außerhalb des Klassenzimmers?
Über Sinn und Unsinn von Masken wird seit dem Ausbruch der Pandemie diskutiert. Maßgeblich ist das, was das Robert- Koch-Institut (RKI) im Frühjahr empfohlen hatte und zwar »ein generelles Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung in bestimmten Situationen im öffentlichen Raum als einen weiteren Baustein, um Risikogruppen zu schützen und den Infektionsdruck und damit die Ausbreitungsgeschwindigkeit von Covid-19 in der Bevölkerung zu reduzieren«. Diese Empfehlung, die im Öffentlichen Nahverkehr, in Geschäften und großen Teilen der Gastronomie umgesetzt wird, gilt weiter.

Nun gilt die Maskenpflicht an den Schulen aber ausgerechnet nicht in den Klassenräumen – da, wo die Schülerinnen und Schüler künftig nicht mehr Abstand halten müssen. Das mag auf den ersten Blick widersinnig klingen – und wirklich konsequent ist es auch nicht.

Das Konzept des Senats folgt aber der Idee, die Maskenpflicht dort im Schulgebäude anzuordnen, wo sich Lernende und Lehrende verschiedener Klassen begegnen. Dadurch soll verhindert werden, dass sich Kinder in den großen Sammelräumen wie Foyers oder Aufgängen infizieren. Im Ernstfall sollen Infektionen so auf die kleineren Gruppen von Kindern beschränkt werden, die im Unterricht zusammensitzen und deren Kontakte daher leicht nachzuverfolgen sind..."

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