Wenn der Lehrer-Laptop ins Leere läuft

"Jeder Lehrer soll einen Dienst-Laptop bekommen. Aber wird damit auch der digitale Unterricht befördert? Es fehlt eigentlich nicht an Hardware – sondern den Lehrern fehlen die Kenntnisse, wie dieser Unterricht aussehen könnte.
Alle 800.000 Lehrer der Republik sollen Dienst-Laptops erhalten. Das beschlossen kürzlich die Kultusminister der Länder bei einem Kanzleramtsgipfel mit Angela Merkel, Bundesbildungsministerin Anja Karliczek und – aus unerfindlichen Gründen – SPD-Chefin Saskia Esken. Die dafür notwendigen 500 Millionen Euro (mit preiswerten Laptops kennen sich die Verantwortlichen anscheinend nicht aus) werden vorgeschossen und später dem Corona-Aufbaufonds der EU entnommen.

Alles an diesem Beschluss ist absurd, beginnend damit, dass sich Deutschland zur Reparatur eines seit Jahrzehnten verschleppten Defizits aus einem Topf bedient, der für den akuten Notfall gedacht ist. Viele Lehrer dürften außerdem bereits einen Laptop haben und brauchen keinen zweiten. Wer keinen hat, wird in vielen Fällen auch nicht wissen, wie er damit umgehen soll.

Denn wie eine neue Pisa-Studie zeigt, fehlt es in Deutschland weniger an digitaler Hardware als vielmehr an menschlichen Kenntnissen. Bei der Frage, ob professionelle Ressourcen zur Schulung der Lehrkräfte im Gebrauch digitaler Geräte vorhanden sind, liegt Deutschland unter den 78 untersuchten Ländern auf Platz 76. Und selbst wenn der Studienrat weiß, wie er seinen neuen Dienstlaptop hochfährt, wird er die entsprechende Online-Lernplattform oft nicht finden, weil es sie nicht gibt: Hier liegt Deutschland auf Platz 66.

Vor fast drei Jahren zeigte eine Umfrage, dass zwar 80 Prozent der Lehrkräfte digitale Lehrmittel einsetzen. Damit aber meinten sie überwiegend YouTube-Videos und Wikipedia. Kein Wunder, dass mehr als zwei Drittel der Befragten meinten, digitale Medien beförderten Konzentrationsschwäche, Ablenkung von Lerninhalten, Oberflächlichkeit und den Niedergang von Kulturtechniken wie der Handschrift.

Das Problem sind also nicht fehlende Laptops, sondern ist die Tonnenideologie der Politiker. Tonnen künftigen Elektroschrotts bringen nämlich nichts, wenn die meisten Lehrkräfte weder wissen, was digitaler Unterricht ist, noch dafür motiviert wurden. Stattdessen kommt die Digitalisierung als Mehrarbeit über Schulen und Behörden, die in jahrzehntelanger Übung gelernt haben, Anweisungen von oben zu ignorieren oder nur zum Schein zu erfüllen. Die Corona-Krise zeigte mit einem Schlag, wie erfolgreich sie dabei gewesen sind. Wenn die Kultusminister nicht lernen, wie man Lehrende zum Lernen und Schulen zur Innovation motiviert, ist der nächste Pisa-Schock nur eine Frage der Zeit."

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