Stiftland-Gymnasium: Digitale Englischstunde mit US-Experten

"Am Morgen kurz vor 8 Uhr am Stiftland-Gymnasium: Die Schüler des Oberstufenkurses Englisch von Studienrat Erik Schmidt sind auf eine Begegnung der besonderen Art gespannt sein. Das Smartboard ist hoch- und die Jalousien sind bereits heruntergefahren. Die heutige Skype-Konferenz kann beginnen. Zugeschaltet aus dem Homeoffice ist Charles T. Julien, Chief Financial Officer (CFO) eines großen Unternehmens in Berlin. An Wochenenden unterrichtet er an diversen deutschen Privat-Unis interkulturelle Businesskommunikation. Der seit über 30 Jahren in Deutschland lebende US-Amerikaner wurde laut Mitteilung der Schule für die Elftklässler »zum digitalen Gesprächspartner mit Authentizitätsgarantie«.

Die interaktiv gestaltete Stunde drehte sich um das Thema kulturelle Eigenheiten in den USA. Nach seiner Aussage, sei Amerika nicht als Monolith zu sehen, sondern vielmehr als eine Vielzahl eigenständiger Staaten, die durch teilweise viele Flugstunden voneinander getrennt in unterschiedlichen Klimazonen und Landstrichen liegen. Verbunden seien sie durch den Glauben an den »American Dream«, an bedingungslose Unabhängigkeit und natürlich an sich selbst.

Dieses Narrativ immer wieder in das Bewusstsein der amerikanischen Bürger zu holen, sei die Aufgabe eines jeden Präsidenten. Dies sei wichtiger denn je, betrachte man die politische Kluft, die sich zwischen Trump-Anhängern und Trump-Gegnern durchs ganze Land zieht. Selbstkritisch sagt Julien über die USA, dass dem Materiellen zu viel Bedeutung beigemessen wird. Etwas von der deutschen Bescheidenheit und Nüchternheit, wie sie von der Kanzlerin vorgelebt wird, könnte seinen Landsleuten nicht schaden, so der Kosmopolit.

Was die junge Generation in Deutschland vom »American Way of Life« lernen könne? Jeder könne etwas aus sich machen. Deutsche sollten sich öfters ihrer kulturellen Stärken bewusst werden. Der Innovationsgeist sei nicht nur im Silicon Valley, sondern auch im »Land der Dichter und Denker« weltspitze. Doch Deutsche seien oft zu selbstkritisch.

Aus der Sicht des 57-jährigen Ökonomen, der vier Sprachen fließend beherrscht, neigen Deutsche gern dazu, problem- und vergangenheitsfokussiert statt lösungs- und zukunftsorientiert zu denken. Nicht in Selbstgefälligkeit und Selbstkritik zu verfallen, sei eine große Herausforderung für Deutsche..."

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