Lernen im Corona-Modus

"In Sachsen sind die Schulen seit einem Monat wieder geöffnet. Eine Grundschule in Kamenz zeigt: Der Unterricht kann funktionieren – wenn sich alle an die Regeln halten.
Schulleiterin Gabriele Keltsch steht auch an diesem Morgen am Hofeingang und begrüßt die Schülerinnen und Schüler einzeln. Viele Mädchen und Jungen eilen an ihr vorbei, eigentlich ist so viel los wie früher. Doch eine Sache ist anders: Es gibt kein hektisches Durcheinander, die Ankunft ist jetzt sortiert und strukturiert. 

Seit vier Wochen praktiziert die Grundschule am Forst in Kamenz, einer Kleinstadt nahe Dresden, »höhere Mathematik«. So nennt Gabriele Keltsch den neuen Alltag im Corona-Modus. Schon für den Start morgens um sieben gibt es eine ausgefeilte Choreografie, festgehalten auf einem von vielen Corona-Plänen. Das Papier für den Schulmorgen hat viele bunt gefärbte Tabellen. Das Prozedere wurde entworfen für 342 Grundschüler in 17 Klassen. Hätte man Gabriele Keltsch vor einem Monat gefragt, ob das funktionieren kann, mit so vielen kleinen Kindern, hätte sie gezweifelt. Inzwischen staunt sie, wie schnell sich alles eingespielt hat. »Wir haben klare Strukturen entwickelt, die funktionieren.« 

Gabriele Keltsch kontrolliert die Ankunft auf dem Schulhof, aber es läuft auch ohne sie wie ein Uhrwerk mit vielen Zahnrädern. Morgens sollen nicht mehr alle auf einmal in die Schule stürmen. Also ist nun für jede Klasse einer von drei Eingängen markiert, ein roter, ein blauer, ein grüner. Dass die Schule in einem sanierten DDR-Plattenbau untergebracht ist, erweist sich als praktisch: Der Zweckbau lässt sich einfach aufteilen. An den Eingängen werden die Schüler von den Klassenlehrerinnen abgeholt, alle haben Desinfektionsflaschen dabei, für jedes Kind gibt es einen Sprühstoß auf die Hände. »Die meisten Kinder machen das mit, als wäre es schon immer so. Ab und zu wird die Nase gerümpft. Puh, das stinkt ein bisschen«, sagt ein Junge.

Nicht mal ein leichter Schnupfen ist erlaubt
Außerdem werden Gesundheitszettel eingesammelt. Darauf müssen die Eltern Tag für Tag unterschreiben, dass niemand Covid-19-Symptome hat, weder das Kind noch jemand im Haushalt. Kein Husten, Fieber, Durchfall oder Geruchs- und Geschmacksstörungen, noch nicht mal Halsschmerzen oder ein leichter Schnupfen sind erlaubt beim Schulbesuch. »Uns hat es anfangs gegraut vor diesen Zetteln. Wir dachten, die landen in der Pfütze oder werden ständig vergessen"«, erzählt die Schulleiterin. »Aber die Eltern und Kinder haben sich schnell daran gewöhnt, alles läuft bestens.« 

Das sagen auch Eltern, die an diesem Morgen ihre Kinder auf den Schulhof bringen. Keine Klagen, im Gegenteil: Alles sei gut organisiert. »Neun Wochen waren wir mit drei kleinen Kindern zu Hause, zwischen Arbeit und Betreuung. Das war die härteste Zeit für uns«, sagt ein Vater. »Wir sind erleichtert, dass jetzt wieder alles läuft.« 

In der sächsischen Bildungslandschaft ist so etwas wie Corona-Routine eingekehrt. Der Freistaat war schneller als andere Länder. Seit dem 18. Mai sind Kitas und Schulen wieder für alle geöffnet, mit Hygienekonzepten und vielen Regeln. Oberstes Prinzip in den Grundschulen: Kontakte auf die einzelnen Klassen reduzieren. Falls irgendwo eine Infektion entdeckt wird, müsste nicht die ganze Schule geschlossen werden, sondern nur die jeweilige Gruppe in Quarantäne. In den weiterführenden Schulen gibt es meist rotierende Modelle, es wird gewechselt zwischen Präsenz- und Heimunterricht..."

Zum Artikel auf ZEIT ONLINE.