Europäischer Vergleich des Ifo-Instituts: Schulschließungen betrafen Kinder in Deutschland stärker als in anderen Ländern

"Schulschließungen waren in Deutschland eine der wesentlichen Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung. Dass es auch anders geht, zeigt ein Vergleich des Ifo-Instituts mit sechs weiteren europäischen Ländern.
Schulschließungen in Deutschland haben Kinder und Jugendliche im internationalen Vergleich besonders stark eingeschränkt. Das geht aus einem Aufsatz des Ifo-Instituts hervor. »Andere Länder in Europa legten größeren Wert darauf, die Schulen weitgehend offen zu halten«, sagt Ifo-Forscherin Larissa Zierow. »Gleichzeitig warendie anderen Länder für digitalen Fernunterricht besser gerüstet.« 

Schulschließungen müssen nicht eine der wesentlichen Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung sein, so die Forscherinnen. Das zeige der Vergleich der Corona-Bildungspolitik zwischen Deutschland und sechs weiteren europäischen Ländern. Anderswo hatten die Schulen deutlich kürzer geschlossen.

Laut der Untersuchung waren die Schulen in Deutschland insgesamt 183 Tage lang zu, wenn man die Zeiten der vollständigen Schließungen (74 Tage) und der teilweisen (109 Tage) addiert. Frankreich, Spanien und Schweden verzeichnen mit je 56, 45 und 31 Tagen die kürzesten Zeiten. Länger als in Deutschland hatten nur die Schulen in Polen geschlossen.

Zudem seien in Deutschland die Einschränkungen für Schulkinder oft größer als für erwachsene Arbeitnehmende gewesen. In Frankreich galt zum Beispiel früh eine Homeoffice-Pflicht, wenn Arbeit von Zuhause möglich war. Außerdem waren Ausgangsbeschränkungen für Erwachsene strenger als für Schulkinder.

Hinzu komme, dass die Umstellung auf Online-Distanzunterricht in Deutschland oft eine Herausforderung darstellte. »Bei der digitalen Lehre befindet sich Deutschland auf den hinteren Rängen«, erklärt Bildungsökonomin Zierow. »Andere europäische Länder nutzen schon seit mehreren Jahren digitale Techniken in der Schule, konnten daher einfacher auf Distanzlehre umstellen.« Für deutsche Schulkinder hätte Online-Unterricht jedoch vergleichsweise selten stattgefunden, und die entstandenen Lernlücken seien gerade für Leistungsschwächere besonders hoch.

Programme sollten daher gezielt eingesetzt werden, um diese Rückstände aufzuholen und die betroffenen Schülerinnen und Schüler beim Lernen in der Pandemie zu unterstützen, fordern die Forscherinnen. Erneute Schulschließungen hätten insbesondere für benachteiligte Schulkinder drastische Konsequenzen.

 Quelle: SPIEGEL.de