Corona-Krise: Sechs Schüler berichten, wie sie den Lockdown erlebt haben

"Ein chaotischer digitaler Schulalltag, fehlende Freunde und oft auch Nerv daheim: Sechs Schülerinnen und Schüler aus dem Kreis Lörrach erzählen, wie sie den Lockdown ihrer Schule im März erlebt haben.
Es werde zuviel über sie gesprochen, aber zuwenig mit ihnen, klagen Jugendliche unter anderem in einer der ersten Studien, die sich mit dem Thema Jugend und Corona beschäftigt hat. Wir wollten es genauer wissen: Robert Bergmann hat sich mit sechs jungen Menschen aus dem ganzen Landkreis unterhalten, wie sie im April und Mai die Zeit des Lockdowns – ohne Schule, Freunde und immer daheim – erlebt haben.

Wie der Tag vergeht
»Ich habe verzweifelt versucht, mich zu beschäftigen«, erinnert sich Felix Rogge an die ersten Tage nach der landesweiten Schließung der Schulen im Zuge des Hochschnellens der Corona-Infektionen. Der 19-jährige Rheinfelder geht in Lörrach auf das sozialwissenschaftliche Gymnasium an der Mathilde-Planck-Schule und merkte plötzlich, wie sein kompletter Tagesrhythmus ins Rutschen kam, als er nicht mehr in den Unterricht durfte. Die über die digitale Plattform hereinkommenden Schulaufgaben waren schnell erledigt, das füllte den Tag auch nicht ansatzweise aus. Und so begann Felix, sich auf die Suche zu machen, was ihn sonst noch erfüllen könnte – das Treffen mit den Freunden fiel ja flach. »Ich habe Schach gespielt und Gitarre. Und ich habe haufenweise historische Filme auf Youtube angeschaut,« erzählt Felix. In ganz kurzer Zeit habe sich sein Tagesrhythmus deutlich in die Nacht hinein verschoben, sagt der junge Mann.

Das Gefühl nach Schließung ihrer Schulen mit einem Mal extrem viel Zeit übrig zu haben, kennen alle jungen Menschen, die sich an diesem Tag zum Gespräch in der BZ-Redaktion treffen. Ausgelöst hat es aber ganz unterschiedliche Gefühle. »Plötzlich hast du keine Termine mehr, das war am Anfang schon entspannend«, meint Ronja Hofmann (19) aus Binzen. Bei Ronja, die das Kant-Gymnasium in Weil besucht, stellte sich dann aber recht schnell ein Gefühl der Ernüchterung ein. Sie merkte, wie sehr ihr das Tanzen fehlte – die Online-Angebote empfand sie nicht wirklich als Ersatz. Und auch die Organisation von Fridays-For-Future-Demos fiel für die junge Klimaaktivistin plötzlich flach. Irgendwann aber habe sie sich mit der neuen Situation arrangiert, erzählt Ronja. »Nach den Osterferien ging es mir besser.« 

Gerade umgekehrt hat es Fátima Luna Ahmad erlebt. Die 18-jährige Lörracherin besucht wie Felix die Mathilde-Planck-Schule, allerdings das biotechnologische Gymnasium dort, wie sie betont. »Anfangs fand ich diese zeitliche Entlastung gar nicht so schlimm«, sagt Fátima. Von der Schule kamen Aufgaben »in angemessenem Rahmen« und sie habe sich über den zusätzlichen Freiraum gefreut. Dann aber, als es nach den Osterferien mit dem Schulstoff intensiver zuging, begann es schwierig zu werden. »Es gibt Gleichaltrige, die daheim vielleicht nur eine Schwester oder Bruder und ihre Eltern haben. Dann gibt es welche, die eine größere Familie haben, in denen jeder seine Pflichten zu tragen hat und in denen sich die häuslichen Pflichten und Tumulte ungünstig mit den schulischen Pflichten schneiden. Letzteres trifft wohl auf mich zu«, erklärt Fátima ihre Situation..."

Zum Artikel der Badischen Zeitung.de