Bildungsmonitor: Bremen in der Digitalisierung ganz vorn

Das Institut der deutschen Wirtschaft hat ermittelt, wie es um die Bildung in Deutschland bestellt ist. In Sachen Digitalisierung sieht es Handlungsbedarf.
Bremen führt die Rangliste der deutschen Bundesländer in Sachen Digitalisierung der Bildung an. Das geht aus dem Schwerpunktkapitel Digitalisierung des aktuellen »Bildungsmonitors« des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) und der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) hervor. Bayern folgt auf dem zweiten Platz, auf dem dritten Baden-Württemberg. Schlusslichter sind Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Brandenburg.

Einer der fünf Indikatoren, aus denen sich die Rangliste ergibt, sind angemeldete Digitalisierungspatente je 100.000 Beschäftigte. Hier liegen Baden-Württemberg, Bayern und Niedersachsen vorn. Bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen in IT-Berufen je 100.000 Erwerbstätige führt Bremen die Tabelle vor Hamburg und Nordrhein-Westfalen an. Bremen hat mit 127 auch die meisten Informatikabsolventen je 100.000 Erwerbstätigen, während Baden-Württemberg auf 103 und Berlin auf knapp 87 kommen.

Beim vierten Indikator, dem Anteil der Schulen mit einem WLAN mit mehr als 100 Mbit/s Bandbreite, hat Hamburg die Nase mit 92,6 vorn, gefolgt von Bremen (89) und Berlin (87,5). Bayern liegt beim fünften Indikator vorn, dem Anteil täglicher Nutzung von Computern im Unterricht. Dieser beträgt im südöstlichsten Bundesland 68,6. Rheinland-Pfalz folgt mit 53,5 auf dem zweiten, Bremen mit 47,5 auf dem dritten Platz.

Sich verengender Fachkräfteengpass 
Mit dem jährlichen Bildungsmonitor will das IW aufzeigen, »inwieweit das Bildungssystem eines Bundeslandes zum Wachstum und Wohlstand der Wirtschaft beiträgt«. Der nächste Bildungsmonitor soll am 17. August erscheinen, das Schwerpunktkapitel zur Digitalisierung liegt heise online bereits vor. Dieser Bereich hat für das IW eine besondere Bedeutung, da der demografische Wandel die Fachkräfteengpässe noch mehr verengen werde.

IT-Experten haben für das IW beispielsweise auch im Klimawandel einen besonderen Stellenwert, denn sie könnten dazu beitragen, die Ressourceneffizienz zu steigern, den Klimaschutz fördern, indem sie Produktionsprozesse grundlegend verändern. Obwohl die Zahlen der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge und Erstsemester im IT-Bereich gestiegen sind, sei absehbar, dass der Bedarf nicht gedeckt werden könne. Daher seien digitale Kompetenzen schon in der Schule wichtig. 

Im Vergleich zu anderen Ländern schneide Deutschland in der International Computer and Information Literacy Study unter Achtklässlern mittelmäßig ab, in den vergangenen Jahren habe es hier keine signifikante Veränderung gegeben, schreibt das IW. Das heißt, die durchschnittlichen computer- und informationsbezogenen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler könnten noch erhöht werden.

Deutschland hinkt international hinterher 
Im internationalen Vergleich seien Schulen in Deutschland »deutlich schlechter« als der Durchschnitt mit digitalen Geräten ausgestattet gewesen. Das habe sich im Verlauf der Coronavirus-Pandemie geändert. In Bremen wurden beispielsweise zu Beginn der Pandemie 100.000 iPads an Schülerinnen und Schüler sowie an Lehrkräfte verteilt.

Zu der Gruppe von Ländern, in denen die IT-Ausstattung an den Schulen schon relativ gut ist, zählen für den IW Bayern, Hamburg, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein. Verbesserungsbedarf gibt es für ihn vor allem in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen. Dabei sei anzumerken, dass der Ländermonitor auf Angaben der Lehrkräfte basiert, da es keine anderen Angaben zur IT-Ausstattung an Schulen gibt. In Befragungen sehen 76 Prozent der Lehrkräfte für einen möglichen temporär nötigen Fern- oder Hybridunterricht einen besonderen Verbesserungsbedarf bei der technischen Ausstattung der Schülerinnen und Schüler. Weiterhin 58 Prozent der Lehrkräfte sehen größere Verbesserungsbedarfe bei der technischen Ausstattung der Schule.

Der Bildungsmonitor ist eine Metastudie, die sich aus verschiedenen einzelnen aktuellen Studien speist. Das IW fordert, dass eine Datenbasis zur Ausstattung der Schulen mit digitaler Infrastruktur geschaffen wird, um Investitionsbedarf ermitteln zu können. »Aussagen darüber können bislang im Wesentlichen nur über Lehrerbefragungen getroffen werden«, schreibt das IW. Ebenso sollten die digitalen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler in schulübergreifenden Vergleichstests überprüft, die Weiterentwicklung digitaler Bildungsformen wissenschaftlich evaluiert und der Austausch von bewährten Praktiken gefördert werden.

Quelle: heise.de, Autor: Andreas Wilkens