Selfie des Grauens? Auschwitz und der Umgang mit Social Media

"Ein »lustiges« Selfie vor der Gaskammer oder ein »niedlicher« Schnappschuss vom Kind auf den Schienen in Auschwitz-Birkenau: Einige Gedenkstättenbesucher überschreiten moralische Grenzen. Doch eine moderne Erinnerungskultur 75 Jahre nach der Befreiung des größten Vernichtungslagers funktioniert nicht ohne Social Media, wie das Beispiel des Staatlichen Museums in Auschwitz-Birkenau zeigt.
Die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau besuchen täglich einige tausend Menschen aus der ganzen Welt. Für die meisten von ihnen gehört das Fotografieren dazu - um das Grauen festzuhalten oder das Unbegreifbare zu konservieren. Unter #Auschwitz gibt es auf Facebook, Twitter und Instagram tausende Besucherbilder aus dem ehemaligen KZ. Die meisten lichten einfach ab, was dort zu sehen ist: das Tor »Arbeit macht frei«, die kilometerlangen Stacheldrahtzäune, die roten Backsteinbaracken, die winzigen Lederschuhe von getöteten Kindern, kiloweise Haare von ermordeten Juden. 

Doch sucht man nach #Auschwitz, findet man auch Fotos, die verstören, die geschmacklos wirken. Braucht es ein Selfie vor den Gaskammern oder vor »Arbeit macht frei«? Paweł Sawicki ist 39 Jahre alt und arbeitet seit 2007 in der Gedenkstätte. Seit 2009 ist er für alle Social Media Aktivitäten der Gedenkstätte verantwortlich, denn auch das Museum selbst pflegt als @AuschwitzMemorial alle gängigen Kanäle der sozialen Medien. Aus Erfahrung weiß er, dass es immer wieder Besucher gibt, die sich respektlos verhalten. Es gebe Menschen, die Zigaretten neben den ehemaligen Gaskammern rauchen und sich dabei fotografieren. Die werden direkt vor Ort zur Rede gestellt. »Wir hatten auch wenige Fälle, dass Menschen ihre Namen in einen Backstein der Baracken ritzen oder auf den Zug in Birkenau klettern.« Im März 2019 veröffentlichte das Museum eine Fotocollage auf der Besucher zu sehen sind, die auf den Schienen im Vernichtungslager Birkenau balancieren. Der Appell des Museums, diesen Ort »an dem mehr als eine Million Menschen umgebracht wurden«, zu respektieren, fand großes Medienecho..."

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