Job-Kolumne: Wie viel verdient ein VR-Entwickler?

"6100 Euro brutto für den Softwareentwickler. Marlon, 23, hat sich das Programmieren selbst beigebracht. Jetzt entwickelt er virtuelle Räume und träumt vom eigenen Unternehmen. 

Vorstellung vs. Realität
Viele denken, Programmierer*innen schreiben nur Code. Aber bei Virtual Reality (VR) geht es auch viel ums Planen, Diskutieren, Designen und Experimentieren. Das nimmt ungefähr die Hälfte der Zeit in Anspruch. Der Unterschied zur normalen Softwareentwicklung ist, dass ich nicht nur Programme für Computer und Handys schreibe, sondern speziell für VR-Brillen. 

Wie der Arbeitsalltag aussieht 
Im Moment arbeite ich mit elf anderen Entwickler*innen zusammen für ein US-amerikanisches Unternehmen. Die meisten sind wie ich Freelancer aus Europa oder den USA. Wir entwickeln einen virtuellen 3D-Raum, in dem man sich unterhalten, Präsentationen laden und auf Whiteboards Ideen sammeln kann; im Prinzip wie in einem Video-Call, bloß dass man als Avatar auch ein Raumgefühl bekommt und es sich realer anfühlt. 

Wie ich VR-Entwickler geworden bin 
Als ich 14 war, habe ich für die Ferienwohnung meiner Oma eine Webseite gebaut. Über Tutorials im Internet habe ich mir das Programmieren selbst beigebracht. In der Schulzeit habe ich immer mehr ausprobiert und auch eine App für den Vertretungsplan entwickelt. Dann habe ich dreieinhalb Jahre Mediendesigninformatik in Hannover studiert. Da habe ich Augmented Reality (AR) das erste Mal getestet. Das kennen viele wahrscheinlich durch Pokémon Go: In der natürlichen Umgebung tauchen virtuelle Objekte auf. Als ich auf einer Stipendienfeier die Technologie vorgestellt habe und ein Raunen durch den Raum ging, wurde mit klar, dass man damit wirklich Leute überzeugen kann.

VR habe ich in meinem jetzigen Masterstudium Digital Reality in Hamburg kennengelernt. Das ist ein Studiengang, der speziell auf VR und AR abzielt. Während meines dritten Semesters, als die Pandemie losging, gab es öfters Hackathons; also Veranstaltungen, bei denen Informatiker*innen nach digitalen Lösungen für die Pandemie gesucht haben. Da habe ich mitgemacht und ein virtuelles Whiteboard für den digitalen Unterricht entwickelt, das man mit einer VR-Brille, aber auch in einem Browser oder auf dem iPad nutzen kann. Dadurch wurde mein jetziger Arbeitgeber auf mich aufmerksam und er stellte mich für die Weiterentwicklung meiner Idee an. Am Anfang habe ich zehn bis 20 Stunden die Woche gearbeitet; seit diesem Jahr sind es 40 bis 50 Stunden. Jetzt nehme ich mir drei Monate Urlaub, um meine Masterarbeit über AR im Web zu schreiben. Dann geht es wieder weiter. Später möchte ich ein eigenes Unternehmen gründen..."

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