Digitalisierung an Schulen: WDR-Umfragen zeigen tiefen Frust

"WDR-Umfragen unter fast 1.100 Schulleitern und über 500 Schülern zeigen: Viele Schulen fühlen sich in Sachen Digitalisierung überfordert und frustriert. Es fehlen Geräte und die passende Fortbildung - und wenn Geräte da sind, müssen sich oft Lehrer in ihrer Freizeit um die Wartung kümmern. Erstmals gibt es nun auch einen Überblick, wie das »Homeschooling« in NRW abläuft - oft mit ausgedruckten Arbeitsblättern und nicht wirklich digital.
»Sollte es die Stadt wirklich schaffen, unsere Schülerschaft mit Endgeräten auszustatten und wir endlich eine stabile Internetanbindung bekommen, werden wir vielleicht den Schritt ins 21. Jahrhundert wagen können.« (Leiter einer Hauptschule).

Ein vernichtendes Urteil zum Stand der Digitalisierung - es steht exemplarisch für NRW. Denn: Die digitale Ausstattung der Schulen ist oft schlecht. Das zeigen die Ergebnisse von exklusiven WDR-Umfragen. In diesen haben Schulleiter und Schulleiterinnen sowie Schüler und Schülerinnen die digitale Ausstattung ihrer Schulen in Schulnoten bewertet.

Mit den vorliegenden Umfragedaten gibt es jetzt für NRW als zurzeit einziges Bundesland aktuelle Zahlen zum Digitalisierungsprozess an den Schulen. Fast 1.100 Schulleiter haben mitgemacht, außerdem wurden mehr als 500 Schüler von weiterführenden Schulen in einer repräsentativen Online-Studie zum selben Thema befragt. Die Daten belegen, dass an vielen Schulen Nachholbedarf besteht - und dass es stark vom Wohnort, der Schulform und dem Engagement von Lehrern und Lehrerinnen abhängt, wie gut die Digitalisierung umgesetzt wird.

Im Folgenden fassen wir die wichtigsten Ergebnisse zusammen und zeigen sie in prägnanten Grafiken. Wer sich ausführlicher mit den Daten beschäftigen will, kann das in unserer Faktensammlung zur Recherche tun.

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Das Fazit: Richtig gut läuft es fast nirgendwo
Aus den Umfragedaten geht eines ziemlich deutlich hervor: Je nach Region und Schulform sieht es an den Schulen sehr unterschiedlich aus, was die Digitalisierung angeht. Richtig gut läuft es nur an wenigen Schulen. Und das sorgt bei den Schulleitern offenbar für viel Frust. Viele Lehrer fühlen sich von den digitalen Anforderungen zunehmend überfordert und von der Politik im Stich gelassen. Ein Grundschulleiter fasst die Lage zusammen:

»Es ist, als würde man einem ein U-Boot in den Garten stellen ohne Betriebsanleitung und Wasserzugang und erwarten, dass man das Ding ans Laufen bekommt.«

Und von einer Hauptschule kommt ein noch härteres Urteil: 

»Es bedarf massiver Investitionen ins Bildungssystem, um aus einer Bananenrepublik ein Schwellenland zu machen.«

Und: Gelder werden teils gar nicht abgerufen
Allem Frust zum Trotz: Mehr als unverständlich erscheint die Tatsache, dass es in NRW immer noch viele Kommunen gibt, die noch gar keine Fördermittel aus dem Digitalpakt beantragt haben. Dazu gehören unter anderem die Stadt Bonn sowie die Stadt Köln. Der Grund: Die Anträge seien zu bürokratisch.

Einzig aus dem Regierungsbezirk Düsseldorf haben sämtliche Kommunen Zuwendungen beantragt. Bewilligungen stehen dabei teilweise noch aus."

Zum Artikel auf WDR.de.