3-D-Drucker im Unterricht

Wie soll eine zeitgemäße Ausstattung der Klassenzimmer aussehen? Der Verein "Digitale Schule FFB" unterstützt Kommunen und Schulen im Landkreis Fürstenfeldbruck und will erreichen, dass nicht jeder sein eigenes Ding machen muss.
Mit Legosteinen im Unterricht Modelle bauen und diese dann programmieren oder Schokolade mit dem 3-D-Drucker herstellen: Solche Möglichkeiten im Unterricht einführen möchten die Landkreisschulen - mit Hilfe des neu gegründeten Kompetenzzentrums »Digitale Schule FFB«. Das hat seine Arbeit mittlerweile aufgenommen und steht vor der Aufgabe, die fast 50 Schulen im Landkreis Fürstenfeldbruck und die angeschlossenen Kommunen, die die Anschaffungen des digitalen Umfelds finanzieren müssen, bei der Umstellung auf den digitalen Alltag zu unterstützen.

Zunächst ist die als Verein organisierte neue Einrichtung dabei, sich einen Überblick zu verschaffen über die Ist-Situation an den Schulen. Das Ausstattungsniveau ist ziemlich unterschiedlich, an manchen Schulen können sich zwei Schüler ein Endgerät teilen, an anderen Schulen gibt es gerade mal 25 Ipads für 500 Schüler. Man werde eine Art »digitale Landkarte« erstellen, kündigt in einer Pressekonferenz Matthias Rohwedder an, Geschäftsführer des vierköpfigen Teams des Kompetenzzentrums. Die digitale Schulausstattung soll, aufgeteilt nach Schularten, über den ganzen Landkreis vereinheitlicht werden.

Die Erkenntnis, dass die unterschiedliche Ausstattung und die unterschiedliche Geschwindigkeit, mit der die Schulen in den einzelnen Städten und Gemeinden bislang in die Digitalisierung geführt wurden, ein Problem darstellen, hatte schließlich zur Gründung des Vereins geführt. 17 sogenannte Sachaufwandsträger aus dem Landkreis (Städte, Gemeinden, Schulverbünde) machen mit, nicht dabei sind Fürstenfeldbruck, Olching und Gröbenzell. Die Initiative kam von privater Seite: Den Anstoß zur interkommunalen Zusammenarbeit gaben die beiden Unternehmer und IT-Experten Guido Grotz und Thomas Geiger. Bislang seien die Erwartungshaltung von Schulen und Kommunen unterschiedlich gewesen und man habe da auch "aneinander vorbeigeredet", erinnert sich Eichenaus Bürgermeister Peter Münster (FDP), der stellvertretender Vorsitzender des Vereins ist.

Jede Kommune hatte das Thema bisher für sich bearbeitet. Es entstanden Doppelstrukturen und Parallelaufwand, das digitale Fortkommen an den einzelnen Schulen entwickelte sich unterschiedlich und damit auch die Chancen für die Schülerinnen und Schüler. Die bloße Anschaffung der IT nutze nichts, sagt Rohwedder: »Es muss im Klassenzimmer das Richtige ankommen.« Nun soll das Kompetenzzentrum zentrale Lösungen für alle finden. Es geht um die Beschaffung von Hard- und Software, um Einheitlichkeit bei IT-Service, -Betrieb, -Wartung und -Sicherheit, um Fragen von Recht und Datenschutz, um das richtige Vorgehen und Auswählen bei einer unübersichtlichen Vielzahl von Förderprogrammen. Einen ersten Erfolg habe man hier schon erzielt, erzählt Rohwedder, nämlich 1,5 Millionen Euro aus einem bayerischen Förderprogramm mit Namen »dBIRregio« in den Landkreis geholt. »Das hätte keine Kommune einzeln bekommen«, ist sich Rohwedder sicher, auch, weil es sehr schnell beantragt werden musste.

Eine Kreidetafel? Die Digitalisierungsexperten sind dagegen 
Die »Digitale Schule FFB« arbeitet daran, für die Kommunen eine Blaupause für die zeitgemäße Ausstattung eines Klassenzimmers zu erarbeiten. Die alte grüne Kreidetafel, die eine Grundschule anschaffen wollte, halten die Digitalisierungsexperten nicht mehr für die richtige Wahl. Die zukunftsfähigere Variante: ausklappbare Boards, deren zentraler Bereich digital genutzt wird, die aber auch über ausklappbare Seitenteile verfügt, auf denen analog gearbeitet werden kann. »Auch das Mit-der-Hand-Schreiben ist schließlich wichtig«, betont Emmerings Bürgermeister Stefan Floerecke (CSU), der Vorsitzender des neuen Vereins ist: »Die Herausforderung hier ist, Pädagogik und Technik zusammenzubringen.« 

Deshalb soll es nicht nur Hilfe bei der Ausstattung geben, sondern die Schulen sollen sich auch Unterstützung holen können für digitale Unterrichtsmethoden und Lernprogramme, für die Weiterentwicklung ihrer Medienkonzepte, für Programmierung und Robotics. Man wolle dafür Labore im Landkreis aufbauen, die die Schulen dann nutzen könnten, sagt Rohwedder, und beispielsweise mit Green Screens bestücken. Die könnten Schülern ermöglichen, etwa zu einer Lektüre in Deutsch »auch einen kleinen Film« zu drehen. Manchmal reicht es auch, Arbeitsgeräte einfach an geeignetere Stellen weiterzureichen: So wie neun überzählige ungenutzte PCs, die von der Kerschensteinerschule in Germering an die Mittelschule Puchheim umgezogen sind, wo sie dringend für den Wirtschafts- und Informatikunterricht benötigt werden.

Noch nicht einmal jede Schule hat Wlan 
Herausforderungen sind indes noch viele zu bewältigen, und davon ist die Frage nach der richtigen Tafel womöglich noch die einfachste. So hat noch nicht einmal jede Schule Wlan oder zum Teil nur mit geringer Leistung. »Das hilft nichts«, sagt Rohwedder. Und wie ist es um die Sicherheit bestellt, wenn Kinder ihre eigenen Laptops in die Schule mitbringen? Wie schließt man aus, dass sie dort auf einer Gaming-App unterwegs sind, statt dem digitalen Unterricht zu folgen? Welche Geräte sind für die Lehrkräfte geeignet? Deren Geräte müssen viel Mobilität ertragen können, weil die Lehrer andauernd die Klassenzimmer wechseln. Schwierig ist es, für diese Bedingungen die richtige Wahl zu treffen, wenn auch ein Kostenrahmen einzuhalten ist.

Und auch die Begeisterung der Lehrkräfte sei unterschiedlich, ist Bürgermeister Münsters Erfahrung. Rohwedder kann es ihnen nicht verdenken. »Sie haben in Corona einen wahnsinnig guten Job gemacht«, sagt er. Aber die neuen Aufgaben kämen »immer oben drauf«. Ein Beispiel: der Medienführerschein, der die Medienkompetenz der Schüler verbessern soll. Damit sich nicht jeder Lehrer einzeln einarbeiten muss, wird die »Digitale Schule FFB« die Vorarbeiten übernehmen.

Quelle: Sueddeutsche.de; Autorin: Heike A. Batzer