Regelungen in NRW: Corona, Plätze, Gesetzesreform - alle Infos zum neuen Kita-Jahr

"Viele Kinder starten neu in die Kindergartenzeit, andere sind schon »alte Hasen«, aber für alle gilt: Corona wirbelt den Alltag kräftig durcheinander, auch im Kindergarten. Was Eltern zum Start des Kita-Jahres wissen sollten. 
Für Hunderttausende Kinder in Nordrhein-Westfalen beginnt an diesem Montag das neue Kindergartenjahr. Sie und ihre Eltern müssen sich in der Corona-Pandemie weiterhin auf Einschränkungen einstellen - doch spürbare Lockerungen sind bereits in greifbarer Nähe. Bereits zum 17. August ist die Rückkehr zum Regelbetrieb geplant. Wissenswertes rund um das neue Kindergartenjahr in NRW: 

Gibt es inzwischen mehr Kita-Plätze in NRW?
Zum Start des Kita-Jahres stehen mit etwa 729 300 Betreuungsplätzen rund 18 480 mehr Plätze zur Verfügung als bisher. Ein Großteil der Kinder wird in Kindertageseinrichtungen versorgt, etwa 69 200 Plätze entfallen auf die Kindertagespflege. Dort werden überwiegend Kinder jünger als drei von Tagesmüttern betreut. Nach Auskunft des Familienministeriums haben damit 39,8 Prozent der unter dreijährigen Kinder einen Betreuungsplatz. Bei den älteren Kindergartenkindern habe der fortlaufende Ausbau bewirkt, dass nun mehr als die Hälfte einen Ganztagsplatz hat. Der Rest habe meist einen 35-Stunden-Platz, der in der Regel auch eine Übermittagsbetreuung sicherstelle. 

Wie ist die Personalausstattung? 
In den NRW-Kitas wurden laut Statistischem Bundesamt zuletzt 138 000 Beschäftigte gezählt (Stand: März 2019). Je nach Altersgruppe liegt der Betreuungsschlüssel damit statistisch gesehen in den Unter-Dreijährigen-Gruppen bei einer Vollzeitkraft pro 3,7 Kinder. In Gruppen mit den eher Älteren kümmert sich eine Erzieherin im Schnitt um 7,9 Kinder. Die Branche klagt weiter über einen Fachkräftemangel - zuletzt bezifferte die Bertelsmann-Stiftung für NRW eine Lücke von 15 000 Erzieherinnen und Erziehern.

Was bringt die Reform des Kita-Gesetzes? 
Mit dem neuen Kitajahr greift zum Monatsanfang auch die Reform des Kinderbildungsgesetzes, als „Kibiz“ bekannt. Für die Einrichtungen bringt das zunächst mal mehr Geld. Laut Familienministerium stehen für Kinderbetreuung 1,3 Milliarden Euro mehr zur Verfügung - das Geld soll die Qualität verbessern, für eine bessere Finanzierung des Personals sorgen und Eltern durch ein weiteres beitragsfreies Jahr entlasten.

Wird jetzt alles besser? 
Die Gewerkschaften warnen vor zuviel Hoffnung auf tatsächliche Verbesserungen der Qualität: »Die Reform beendet zwar die jahrelange strukturelle Unterfinanzierung des Systems, aber wirkliche Verbesserungen der pädagogischen Arbeit können wir so nicht erreichen«, sagt Barbara Nolte vom Verband Bildung und Erziehung (VBE NRW). Die Finanzierung sei weiter nicht auskömmlich für alles was Erzieherinnen leisten: »Konzeptarbeit, Elterngespräche, Entwicklungsdokumentation gehören zur täglichen Arbeit - diese Aufgaben werden aber nicht ausreichend berücksichtigt«, sagt sie.

Ihre Kollegin von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW NRW), Joyce Abebrese, ergänzt: Urlaubszeiten, Krankheiten und Fortbildungen seien ebenfalls in den Personalschlüsseln nicht berücksichtigt. Die Folge: »Wenn jemand ausfällt, ist das System sehr schnell am Ende«. Corona verschärfe die Lage folglich noch deutlich..."

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