Der 14-jährige Lukas Leisten gründete das Unternehmen "Tynopia"

Der junge Kirchheimer ist vielleicht der jüngste Unternehmer Deutschlands. Mit »Minecraft« lernte er Programmieren.
Während andere in seinem Alter noch lange nicht ans Arbeiten denken, sitzt Lukas Leisten in seinem Büro an zwei Bildschirmen und einem Computer und programmiert. Mit gerade mal 14 Jahren hat er sein eigenes Unternehmen mit dem Namen »Tynopia« gegründet. Der jugendliche Kirchheimer hat sich auf Erweiterungen von Computerspielen spezialisiert. Außerdem erstellt er Internetseiten und hat sich in den Weihnachtsferien einen eigenen Online-Shop programmiert.

Wie hat er das mit 14 Jahren geschafft? »Das hat sich einfach so ergeben«, erzählt Lukas im Gespräch mit der RNZ. Begonnen habe alles mit dem Computerspiel »Minecraft« – dem meistverkauften Computerspiel aller Zeiten. Dort erschaffen Spieler dreidimensionale Gebäude aus Würfeln, sammeln Rohstoffe und kämpfen gegen Monster. Alles basiere darauf, selbst zu programmieren, erklärt Lukas. Dort hatte er auch zum ersten Mal Berührungspunkte mit der Programmiersprache Java. Gespielt wird auf Servern, die es ermöglichen, dass mehrere Spieler gleichzeitig spielen und interagieren können.

Lukas programmierte 2018 einen eigenen Server namens »Tynopia«, schuf dort eine Community mit 1000 Menschen. Doch mit der Zeit habe es bei »Minecraft« keine neuen Herausforderungen mehr gegeben und Lukas begann, »FiveM« zu spielen, eine Modifikation des Spiels GTA. GTA ist ein Spiel, bei dem die Spieler in einer imaginären Welt agieren – es geht um Sex, Gewalt, sehr viel Action und ist definitiv nicht jugendfrei.

Aber Lukas fand hier digitale Herausforderungen und lernte neue Programmiersprachen. »Ich habe gemerkt: Ey, ich hab da gerade was richtig Krasses gemacht.« Auch andere sahen sein Potenzial: Es kamen Anfragen von anderen Spielern, ob er etwas für sie programmieren könne. Die Erweiterungen, die Lukas meistens programmiert, waren beispielsweise besondere Fähigkeiten der Spielfigur, wie das Schweben über Gebäuden.

»Geld konnte ich für die Aufträge natürlich nicht annehmen, weil ich kein angemeldetes Gewerbe hatte«, erklärt Lukas. Deshalb sprach er mit seinen Eltern über die Idee, ein Unternehmen zu gründen. »Die waren erst mal geschockt«, sagt er lachend. Doch der 14-Jährige hatte bereits einen Plan: »Ich habe meinen Eltern dann gesagt, was wir dafür alles machen müssen.« 

Grundsätzlich muss man mindestens 18 Jahre alt sein, weswegen die Gründung ein langwieriger Prozess war, der sich über ein Jahr hinzog. Zunächst wurde Lukas Vorhaben nämlich vom Jugendamt abgelehnt. »Das fand ich echt schade«, sagt der Jugendliche. Beim zweiten Versuch funktionierte es dann: Die Familie wandte sich an das Oberlandesgericht in Karlsruhe, von dort bekam Lukas erst mal einige Aufgaben. So musste er zum Beispiel einen 20-seitigen Businessplan schreiben. Außerdem kam das Jugendamt zu Familie Leisten nach Hause: »Die wollten zum Beispiel wissen, ob das Ganze mit der Schule vereinbar ist«, sagt Lukas.

Unterstützung habe er im Prozess von zwei seiner Lehrerinnen erhalten, die sein Potenzial erkannten und ein Schreiben für das Gericht aufsetzten. Letztlich musste der Jugendliche versprechen, nach seinem Realschulabschluss eine Ausbildung zu beginnen. Das wolle er nächstes Jahr ohnehin machen, erzählt er im Gespräch: »Ich möchte einen sicheren Beruf haben, weil das alles hier könnte ja von einem auf den anderen Tag nicht mehr funktionieren.« Dass er vernünftig ist, zeigt auch sein Alltag: Schule, Hausaufgaben und, wenn er Zeit hat, programmieren. Er arbeitet nicht täglich, sondern immer dann, wenn es gerade passt.

Aktuell arbeitet er zusammen mit den Programmierern von »FiveM« schon an einem neuen Projekt. Hierfür hat Lukas eine Art Polizeisystem mit dem Namen »CopSystem« programmiert, bei dem die Spieler den Job eines Polizisten simulieren können. Am coolsten findet er an alledem, dass er Leute glücklich machen kann, weil sie so noch mehr Spaß am Spiel haben.

Quelle: Rhein-Neckar-Zeitung, Autorin: Lea Jäger